Was der Wechsel mit Sensoren im Rad zusätzlich kostet
Fast jedes Auto ab Baujahr 2014 hat ein Reifendruckkontrollsystem, in der Werkstatt und auf der Rechnung meist RDKS abgekürzt. Es warnt Sie über eine Leuchte im Cockpit, wenn der Luftdruck in einem Reifen zu stark abfällt. Beim Reifenwechsel bedeutet das Mehrarbeit: Die Werkstatt muss die Sensoren nach jedem Wechsel neu am Bordcomputer anmelden, das kostet nach Angaben des ADAC 20 bis 50 Euro zusätzlich. Ein einzelner Ersatzsensor, wenn die Batterie leer oder der Sensor defekt ist, kostet laut AUTO BILD weitere 30 bis 80 Euro.
| Leistung | Kosten | Wann sie anfällt |
|---|---|---|
| Anlernen, System ohne eigene Sensoren | bis 20 Euro | Bei jedem Räderwechsel |
| Anlernen, System mit Sensor je Rad | 20 bis 50 Euro | Bei jedem Räderwechsel |
| Ein Ersatzsensor als Bauteil | 30 bis 80 Euro | Bei defektem Sensor oder leerer Batterie |
| Kompletter zweiter Radsatz mit Sensoren | 120 bis 300 Euro | Beim Kauf eines zweiten Satzes Räder |
Bei der Batterielebensdauer weichen die Quellen leicht voneinander ab: Der ADAC nennt 6 bis 10 Jahre, AUTO BILD dagegen 4 bis 6 Jahre. Die Batterie sitzt fest im Sensor verbaut, ein Wechsel nur der Batterie ist praktisch nicht möglich. Ist sie leer, tauscht die Werkstatt den ganzen Sensor aus.
Warum die Sensoren mehr sind als nur ein Kostenfaktor
Die Mehrkosten beim Wechsel ärgern viele Autofahrer, doch die Sensoren haben einen handfesten Nutzen. Schon 0,4 bar zu wenig Luftdruck kosten laut ADAC bis zu 0,3 Liter Sprit mehr auf 100 Kilometer, europaweit summiert sich das auf rund 3 Milliarden Liter Mehrverbrauch im Jahr. Zu wenig Luft im Reifen verlängert außerdem den Bremsweg, verschlechtert die Kurvenlage und erhöht bei hohen Geschwindigkeiten die Gefahr eines Reifenplatzers.
Ohne Sensor im Rad bemerken viele Fahrer einen langsamen, schleichenden Druckverlust erst, wenn der Reifen schon sichtbar weicher wirkt oder der Verschleiß ungleichmäßig fortschreitet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gehen in Deutschland im Schnitt rund 1.000 Verkehrsunfälle im Jahr auf technische Mängel an der Bereifung zurück. Ein funktionierendes Warnsystem holt Sie in solchen Fällen früher aus dem Blindflug.
Warum es zwei verschiedene Systeme gibt
Ein direktes System misst den Druck mit einem eigenen Sensor in jedem Rad und zeigt Ihnen den genauen Wert je Reifen an, oft auf 0,1 bar genau. Diese Sensoren haben eine eigene Batterie und müssen nach einem Räderwechsel neu angelernt werden, deshalb kostet dieses System beim Wechsel mehr.
Ein indirektes System kommt dagegen ohne eigene Sensoren im Rad aus. Es nutzt die vorhandene Elektronik des Autos, genauer die Drehzahlsensoren, die auch beim Bremsen mitarbeiten. Ein Reifen mit zu wenig Luft dreht sich minimal schneller als die anderen, das erkennt das System und warnt Sie. Der Nachteil: Es reagiert langsamer auf Druckverlust und zeigt oft nicht an, welcher Reifen konkret betroffen ist.
Seit wann Sensoren im Rad überhaupt Pflicht sind
Eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2009 schreibt Reifendruckkontrollsysteme für Personenwagen vor. Für neue Fahrzeugtypen galt die Pflicht ab November 2012, für alle neu zugelassenen Pkw in der EU seit November 2014. Ältere Fahrzeuge dürfen weiterhin ohne ein solches System fahren, müssen aber genauso häufig den Luftdruck von Hand prüfen.
Wer ein älteres Auto nachträglich mit Sensoren im Rad ausstatten möchte, findet dafür Nachrüstlösungen im Zubehörhandel. Verpflichtend ist das jedoch nur bei Fahrzeugen, die ab dem genannten Stichtag erstmals zugelassen wurden. Bei einem Gebrauchtwagen mit Erstzulassung nach November 2014 gehört ein Reifendruckkontrollsystem serienmäßig zur Ausstattung, auch wenn der vorherige Halter es Ihnen beim Verkauf nicht ausdrücklich erwähnt hat.
Ob ein defekter Sensor die Pflichtprüfung gefährdet
Alle zwei Jahre prüft eine amtlich anerkannte Stelle wie TÜV, Dekra oder GTÜ Ihr Auto bei der Hauptuntersuchung, der Pflichtprüfung für die Verkehrssicherheit. Ist bei Ihrem Fahrzeug ab Werk ein Reifendruckkontrollsystem eingebaut und funktioniert es erkennbar nicht, werten die Prüfstellen das nach einer Anpassung der Prüfrichtlinie im Jahr 2018 als deutlichen Mangel. Sie bekommen dann keine bestandene Prüfung und müssen den Sensor innerhalb eines Monats reparieren lassen.
Zeigt die Kontrollleuchte eindeutig an, dass das System komplett ausgefallen ist, gilt das als der schwerwiegendere Fall. Eine einzelne, vorübergehende Fehlermeldung wird in der Praxis dagegen oft milder bewertet. Verlassen Sie sich im Zweifel nicht auf diese Unterscheidung, sondern lassen Sie eine dauerhaft leuchtende Kontrollleuchte immer in der Werkstatt prüfen, bevor die nächste Prüfung ansteht.
So sparen Sie beim Wechsel mit Sensoren im Rad
Ganz vermeiden lassen sich die Zusatzkosten nicht, wenn Ihr Auto ab Werk mit Sensoren im Rad ausgestattet ist. Mit ein paar einfachen Schritten behalten Sie die Ausgaben aber im Rahmen und verhindern einen bösen Überraschungsposten auf der Rechnung.
- Fragen Sie vor dem Kauf eines zweiten Radsatzes, ob Sensoren bereits enthalten sind oder separat berechnet werden.
- Lassen Sie die Batterielebensdauer Ihrer Sensoren bei jedem Wechsel kurz mitprüfen, bevor sie mitten in der Saison ausfällt.
- Holen Sie bei einem Komplettausfall mehrerer Sensoren einen zweiten Kostenvergleich ein, da Ersatzteilpreise je Werkstatt schwanken.
- Prüfen Sie den Luftdruck trotz Sensoren weiterhin gelegentlich von Hand, das beugt einem unbemerkten Ausfall vor.
- Reagieren Sie auf eine dauerhaft leuchtende Kontrollleuchte zeitnah, statt bis zur nächsten Pflichtprüfung zu warten.
Wie viel der reine Räderwechsel ohne Sensorenprobleme kostet, lesen Sie im Artikel zu den Kosten des Reifenwechsels. Was bei der Pflichtprüfung selbst sonst noch geprüft wird, erfahren Sie im Artikel zu den Kosten von HU und AU.
Ob Anlernen reicht oder ein neuer Sensor nötig ist
Nicht jede Warnleuchte bedeutet gleich einen teuren Ersatzsensor. Die folgende Übersicht ordnet die häufigsten Fälle danach, was wirklich ansteht.
Leuchtet die Warnleuchte erst, seit die Räder gewechselt wurden?
Meist reicht das Anlernen der vorhandenen Sensoren am Bordcomputer, für 20 bis 50 Euro.
Zeigt die Werkstatt bei der Diagnose einen konkreten Sensor als fehlerhaft an?
Dann brauchen Sie einen Ersatzsensor für dieses eine Rad, für etwa 30 bis 80 Euro zuzüglich Einbau.
Lassen Sie den Luftdruck an allen vier Rädern von Hand prüfen. Oft steckt nur ein zu niedriger, aber nachfüllbarer Druck dahinter, keine defekte Elektronik.
Diese Einordnung ersetzt keine Diagnose in der Werkstatt, gibt Ihnen aber vorab ein Gefühl dafür, in welcher Preisspanne sich die Reparatur bewegt.
Häufige Fragen
Warum kostet ein Reifenwechsel mit RDKS-Sensoren im Rad mehr als ohne?
Der Reifenwechsel kostet mit Sensoren im Rad meist 20 bis 50 Euro mehr, weil die Werkstatt jeden Sensor nach dem Wechsel neu am Bordcomputer anlernen muss. Ohne dieses Anlernen zeigt das System den Reifendruck nicht korrekt an oder warnt gar nicht mehr.
Was kostet ein einzelner Ersatzsensor für die Reifendruckkontrolle?
Ein einzelner Ersatzsensor kostet nach Angaben von AUTO BILD etwa 30 bis 80 Euro als Bauteil, hinzu kommen Einbau und Anlernen in der Werkstatt. Die Batterie des Sensors ist fest verbaut, bei Batterieschwäche wird deshalb der komplette Sensor getauscht.
Komme ich mit einem defekten Reifendrucksensor durch die Hauptuntersuchung?
Nein, meist nicht. Ist bei Ihrem Auto ab Werk ein Reifendruckkontrollsystem eingebaut und funktioniert es erkennbar nicht, gilt das bei dieser Pflichtprüfung als deutlicher Mangel. Sie bekommen dann keine bestandene Prüfung und müssen den Sensor reparieren lassen.
Sind Sensoren im Rad bei jedem Auto Pflicht?
Nein, Pflicht sind sie nur bei Personenwagen, die seit November 2014 in der EU neu zugelassen wurden. Ältere Fahrzeuge dürfen weiterhin ohne ein solches System fahren, Sie müssen dort den Luftdruck aber selbst von Hand kontrollieren.
Brauche ich für einen zweiten Radsatz auch neue Sensoren?
Bei einem System mit eigenem Sensor je Rad ja, laut ADAC braucht auch ein zweiter Radsatz eigene Sensoren, damit die Werkstatt beim saisonalen Wechsel alle vier Räder korrekt anlernen kann. Das treibt die Kosten für einen kompletten zweiten Satz auf 120 bis 300 Euro.
