Was beim Reifenprofil Pflicht ist und was nur Empfehlung
Neue Reifen bringen laut ADAC 7 bis 9 Millimeter Profiltiefe mit, Winterreifen teils bis zu 10 Millimeter. Das gesetzliche Minimum liegt bei 1,6 Millimetern im Hauptprofil, geregelt in Paragraf 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Der ADAC empfiehlt jedoch, deutlich früher zu wechseln. Sommerreifen sollten Sie ab 3 Millimetern ersetzen, Winterreifen bereits ab 4 Millimetern Restprofil.
| Zustand | Profiltiefe | Status |
|---|---|---|
| Neureifen | 7 bis 9 Millimeter, Winterreifen bis 10 Millimeter | Optimal |
| ADAC-Empfehlung für Sommerreifen | ab 3 Millimetern wechseln | Empfehlung, keine Pflicht |
| ADAC-Empfehlung für Winterreifen | ab 4 Millimetern wechseln | Empfehlung, keine Pflicht |
| Gesetzliches Minimum | 1,6 Millimeter | Pflicht, sonst Bußgeld |
Der Unterschied zwischen Pflicht und Empfehlung ist wichtig: Erst unter 1,6 Millimetern drohen Bußgeld und Punkte. Die ADAC-Empfehlung von 3 beziehungsweise 4 Millimetern ist keine Vorschrift, sondern ein Sicherheitspuffer, den Fachleute aus Bremsversuchen ableiten.
Warum Fachleute schon vor der gesetzlichen Grenze zum Wechsel raten
Ein Reifen bremst und lenkt umso schlechter, je weniger Profil er noch hat, vor allem auf Nässe und Schnee. In einem Wintertest des ADAC mit 4 Millimeter Restprofil begann Aquaplaning bereits bei 63 Kilometern pro Stunde, bei einem neuen Reifen erst bei 87 Kilometern pro Stunde. Auf nasser Fahrbahn verlängerte sich der Bremsweg aus 80 Kilometern pro Stunde um 7 Prozent gegenüber dem neuen Reifen.
Auf Schnee fiel der Unterschied im selben Test noch deutlicher aus. Der Bremsweg aus 30 Kilometern pro Stunde war mit 4 Millimeter Restprofil 3,2 Meter länger als mit einem neuen Reifen. Die Traktion sank dabei auf weniger als die Hälfte des Neuwerts. Diese Zahlen erklären, warum der ADAC schon deutlich vor der gesetzlichen 1,6-Millimeter-Grenze zum Wechsel rät.
Warum auch der richtige Reifentyp zählt
Profiltiefe und Alter sind nicht die einzigen Kriterien für die Frage, ob Sie neue Reifen brauchen. Bei winterlichen Straßenverhältnissen wie Schneematsch, Eis- oder Reifglätte schreibt die Straßenverkehrsordnung Reifen vor, die für diese Bedingungen geeignet sind, unabhängig vom Kalenderdatum. Erkennbar sind solche Reifen am sogenannten Alpine-Symbol, einem kleinen Bergpiktogramm mit Schneeflocke auf der Seitenwand. Ein Sommerreifen mit viel Profil erfüllt diese Vorgabe nicht, selbst wenn er die 1,6-Millimeter-Grenze klar einhält.
Wie schnell sich das Profil überhaupt abnutzt, hängt außerdem von Fahrweise, Zuladung und Reifendruck ab. Ein zu niedriger Luftdruck nutzt die äußeren Kanten des Reifens schneller ab, ein zu hoher Druck dagegen die Mitte der Lauffläche. Wer den Luftdruck regelmäßig prüft, verlängert die Lebensdauer seiner Reifen und bemerkt gleichzeitig einen schleichenden Druckverlust durch ein kleines Leck frühzeitig.
Wie Sie das Alter Ihrer Reifen ablesen
Jeder Reifen trägt auf der Seitenwand eine sogenannte DOT-Kennzeichnung mit einer vierstelligen Ziffernfolge. Die ersten beiden Ziffern nennen die Produktionswoche, die letzten beiden das Produktionsjahr. Die Zahl 2224 bedeutet demnach: hergestellt in der 22. Kalenderwoche des Jahres 2024.
Neureifen sollten beim Kauf laut ADAC nicht älter als zwei Jahre sein, erkennbar am selben Code. Im Einsatz rät der Automobilclub, Winterreifen nach spätestens 8 Jahren zu ersetzen und Sommerreifen nach 8 bis 10 Jahren, selbst wenn das Profil noch über der gesetzlichen Grenze liegt. Der Grund: Das Gummi verhärtet und versprödet mit der Zeit, unabhängig davon, wie viele Kilometer der Reifen tatsächlich gelaufen ist. Bei Anhängern und Wohnwagen mit einer zulässigen Geschwindigkeit bis 100 Kilometern pro Stunde gilt sogar eine feste Grenze von 6 Jahren.
Ein altes Reifenalter sehen Sie einem Reifen nicht immer sofort an. Kleine, netzartige Risse in den Flanken oder in den Profilrillen sind aber ein deutliches Warnzeichen, ebenso ein Gummi, das sich hart und spröde statt elastisch anfühlt. Lassen Sie ältere Reifen im Zweifel von einer Werkstatt begutachten, besonders wenn Sie mit dem Auto lange Strecken oder Urlaubsfahrten planen.
Was ein zu spät gewechselter Reifen kosten kann
Das Bußgeld für zu wenig Profil beginnt bei 60 Euro und einem Punkt in Flensburg. Gefährden Sie damit andere Verkehrsteilnehmer, steigt es auf 75 Euro, bei einem Unfall mit abgefahrenen Reifen kommen weitere Kosten hinzu.
| Situation | Bußgeld | Punkte in Flensburg |
|---|---|---|
| Profiltiefe unter 1,6 Millimeter | 60 Euro | 1 Punkt |
| Zusätzlich Gefährdung anderer | 75 Euro | 1 Punkt |
| Zusätzlich Unfall verursacht | 90 Euro plus Folgekosten | 1 Punkt |
Bei der Hauptuntersuchung, der Pflichtprüfung Ihres Autos alle zwei Jahre, zählt eine zu geringe Profiltiefe ebenfalls zu den Mängeln. Eine Prüforganisation wie TÜV, Dekra oder GTÜ stuft das als so schwerwiegend ein, dass Sie ohne Reparatur keine bestandene Prüfung bekommen. Wie teuer neue Reifen und der passende Wechseltermin in der Werkstatt werden, lesen Sie im Artikel zu den Kosten des Reifenwechsels.
So prüfen Sie Profil und Alter in 3 Schritten
Sie brauchen dafür weder Werkzeug noch einen Werkstatttermin. Die folgenden drei Schritte dauern zusammen nur wenige Minuten und funktionieren an jedem Reifen gleich.
- Profiltiefe messen: Stecken Sie eine Ein-Euro-Münze in eine Profilrille. Verschwindet der goldene Rand der Münze vollständig, haben Sie noch ausreichend Profil.
- Verschleißanzeiger prüfen: Kleine erhabene Stege quer in der Profilrille markieren die 1,6-Millimeter-Grenze. Ist der Reifen an diesen Stellen glatt, ist das gesetzliche Minimum erreicht.
- Alter ablesen: Suchen Sie die DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke und lesen Sie die letzten vier Ziffern als Woche und Jahr der Herstellung.
Prüfen Sie dabei alle vier Reifen, weil sich Vorder- und Hinterachse und selbst die beiden Reifen derselben Achse unterschiedlich abnutzen können. Ein Reifen mit Sensor zur Reifendrucküberwachung zeigt Ihnen zwar den Luftdruck an, aber nicht das Profil oder das Alter. Mehr zu diesen Sensoren lesen Sie im Artikel zur Reifendruckkontrolle.
Muss ich jetzt neue Reifen kaufen?
Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Kriterien aus diesem Artikel als kurze Entscheidungshilfe zusammen, von der gesetzlichen Pflicht bis zur reinen Empfehlung.
Liegt die Profiltiefe an irgendeiner Stelle des Hauptprofils unter 1,6 Millimetern?
Ja, sofort. Das ist die gesetzliche Mindestgrenze, ein Weiterfahren ohne Wechsel ist nicht erlaubt.
Sind die Reifen 8 Jahre oder älter, oder zeigen sie Risse in der Flanke?
Ein Wechsel ist ratsam, auch wenn noch Profil vorhanden ist, weil das Gummi mit dem Alter an Grip verliert.
Liegt die Profiltiefe unter 3 Millimetern bei Sommerreifen oder unter 4 Millimetern bei Winterreifen?
Ein Wechsel lohnt sich aus Sicherheitsgründen, vor allem vor der nassen oder kalten Jahreszeit.
Nein, Ihre Reifen liegen noch im empfohlenen Bereich. Prüfen Sie Profil und Alter trotzdem regelmäßig weiter, am besten bei jedem Tanken oder vor längeren Fahrten.
Häufige Fragen
Wie tief muss das Reifenprofil bei einem Auto mindestens sein?
Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter im Hauptprofil, das über etwa drei Viertel der Lauffläche gemessen wird. Der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen aber, Sommerreifen bereits ab 3 Millimetern und Winterreifen ab 4 Millimetern zu wechseln.
Gibt es ein gesetzliches Höchstalter für Autoreifen?
Nein, für normale Pkw-Reifen gibt es in Deutschland keine gesetzliche Altersgrenze. Der ADAC rät dennoch, Reifen spätestens nach 8 bis 10 Jahren zu ersetzen, weil das Gummi mit der Zeit verhärtet, selbst wenn noch ausreichend Profil vorhanden ist.
Wie erkenne ich das Herstellungsdatum meiner Reifen?
Das Herstellungsdatum steht in der DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke, als vierstellige Zahl. Die ersten beiden Ziffern zeigen die Produktionswoche, die letzten beiden das Produktionsjahr. Die Zahl 1523 bedeutet zum Beispiel: hergestellt in der 15. Woche des Jahres 2023.
Was kostet es, wenn ich mit zu wenig Reifenprofil fahre?
Bei einer Profiltiefe unter 1,6 Millimetern drohen 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Gefährden Sie damit andere, steigt das Bußgeld auf 75 Euro, bei einem Unfall kommen weitere Kosten hinzu.
Kann ich mit einer einfachen Münze das Reifenprofil selbst prüfen?
Ja, eine Ein-Euro-Münze eignet sich als schnelle Kontrolle. Stecken Sie sie in eine Profilrille: Verschwindet der goldene Rand vollständig, ist meist noch genug Profil vorhanden. Für eine genaue Messung in Millimetern nutzt eine Werkstatt aber eine Profiltiefenlehre.
